Out of Tibet

100820-drei-kinder1 Die FahrTage ziehen sich.
Tibet kann gross werden, wenn man mit Mühe 160 Km in 10 Netto-Fahrstunden weiter kommt.

Aber Tibet kann sich auch grossartig zeigen.
Die Menschen sind es allemal.
Überall sehen wir diese neugierigen grossen Augen, die sich aufgeschlossen aber vorsichtig nähern.

100820-felsstrasse Zwischen Bayi und Markam, für diese 700 km brauche wir drei heftige Tage.
Sie führen durch grandiose Landschaft, aber richtig geniessen wird man die erst in drei bis fünf Jahren können.
Die Chinesen wollen endlich mal ne dauerhafte Lösung herbeiführen, und bauen die kompletten 700Km gleichzeitig neu.
Tausende Arbeiter sind entlang der Strasse beschäftigt und wohnen auch in Zelten direkt daneben.

Das neue Nomadentum in unserer Zeit.

100821-roter-fluss Die grosse Brücke über den roten Fluss ist schliesslich das sichtbare Zeichen:
Wir sind raus aus Tibet.
Jetzt ist Schluss mit dem Versteckspielen.
Unser Guide ist erleichert,
wir sind erleichtert.
100822-guides-heike-gsl Aber wir sind auch betrübt.
So hatten wir uns die TibetReise nicht vorgestellt. Anyway, wir kommen wieder.

Unser Ziel heisst weiter Hongkong, da muss der Gelbe laut Permit aus China ausreisen.

Heike überlegt allerdings mit dem Rucksack gleich wieder zurückzukehren, nach Tibet.

Flucht aus Tibet II

100821-gsl-am-fenster Nach einem Tag Verhandlungspause in Bayi geht es weiter. Heike und ich dürfen jetzt im Koffer sitzen. Ein Gefühl wie im GlacierExpress.

Ein Fremder fährt den Gelben.
Ich hab gut zu tun mich daran zu gewöhnen.
Mr.Zhan schaltet erheblich zu früh, wie alle Chinesen,
und wenns es bergab geht, kuppelt er aus, und ackert mit den Trommelbremsen bis das sie Stinken.
Ich werde es ihm trotz vieler und anschaulicher Unterrichts- einheiten in den Pausen auch nicht mehr abgewöhnen können. Chinese eben.

100821-serpentinen Die Landschaft ist jetzt völlig abgedreht. Wir machen fast mehr Höhenmeter als Meter voraus.

Die schmale Schotterpiste liegt im dauernden Wettstreit mit den reissenden Flüssen:
Mal ist die Strasse gut gesichert mit grossen Steinblöcken im Vorteil.
Ein anderes Mal hat der Fluss die Zähne gezeigt und Teile der Strasse weggerissen.
Im Prinzip fahren wir eine 350 Km lange Einbahnstrasse. Allerdings weiss der Gegenverkehr davon nix. Gottseidank gibt es sehr wenig davon.

100821-bergstrasse Mr.Zhan findet LKW fahren anstrengend.
Er hat zwar auch schon in seinem Leben acht Jahre ReiseBus gefahren, aber er dachte er wäre jetzt eigentlich
etwas besseres.
Wenn also freie Luft draussen ist, also keine Militär- oder Polizeikontrollen erwartet werden, dann darf ich auch nochmal ans Lenkrad,

welche Wohltat, welcher Blick.

10082-gegenverkehr Die Strasse ist extrem schlecht, das Tempo drei volle Tage unter 20 km/h.
Der Gelbe springt trotzdem ohne Ende, und an einer Stelle passiert die Katastrophe.

Ich bin gerad am Steuer,
übersehe eine tiefe Querrille,
der Gelbe fliegt regelrecht ab,
und im selben Moment schreit Heike hinten aus dem Koffer.
Sie blutet.

100822-auge-2 Heike ist regelrecht an die Decke geflogen und hat sich eine Platzwunde neben neben dem Auge zugezogen.
Ihre Kamera ist durch den Koffer geschossen,
das Display zerstört.
Auweija.

Das ist nochmal ein Grund mehr,
dass wir uns über den Reiseverlauf ärgern.
Aber ändern können wir es nicht.
So gut es geht versuchen wir die Wunde zu tapen, soll ja kein markantes, neues Kennzeichen werden.
In den nächsten Tagen schillert Heike jedenfalls in allen Farben.

Flucht aus Tibet

Unsere Mitreisenden sind an ihrem Ziel, in Lhasa.
Am 17.Aug gehts zum Flughafen und die Truppe entschwindet.
Ein Teil noch mit Abstecher nach Shanghai, die anderen direkt nach Deutschland zurück.

Und wir, Heike und ich?

Na wir wollten ja weiter zum Kailash,
nach Nepal/Indien und so weiter.
Aber hier in Lhasa ist plötzlich alles ganz anders.
Die Reiseagentur hält uns die umfangreichen Papiere vor die Nase, und da steht eindeutig drinne, dass wir ebenfalls genau heute (!) aus Tibet ausfliegen müssen.

Was steht da ?

100815-in-lhasa-m-gelbem
Wir haben nichtmal gebuchte Flüge, und überhaupt nicht vor jetzt wegzufliegen.
Die Agentur ist hartnäckig, und meint, sie bekäme grosse Probleme, wenn wir hier bleiben würden.

Viele, sehr viele verschiedene Modelle diskutieren wir durch, und es bleibt uns wohl nur ein Kompromiss übrig:
Wir müssen mit dem Gelben so schnell es geht aus Tibet raus, und zwar nach Osten!

Die anderen drei Fahrzeuge reisen aus China nach Hongkong aus, ganz nach Plan, und das gilt für den Gelben eben auch: ein Papier, ein Weg, für alle!

Na wenn der Apfel nicht sauer schmeckt.

100816-snowlandhotel
Mürrisch fahren wir am 17.Aug los. Nach Osten.

Vorneweg ein Jeep der Agentur mit zwei Guides. Und in unserem Fahrzeug „Pang“, auch ein Guide aus Peking.

Den Tag gehts durchs wunderschöne Kongpu-Tal, immer parallel zu einem reissenden Fluss. Auf bester Strasse in Höhen zwischen 5.000 und 4.000 Metern.

Wir staunen über die sehr vielen Radfahrer, die uns entgegen kommen. Gerade die Strecke von Chengdu nach Lhasa muss im Lande wohl berühmt sein.
12 Tage brauchen die Cracks für die 2.000 Kilometer. Dabei machen die Höhenmeter wohl die Herausforderung aus.

100821-fahrradfahrer
Wir kommen gut voran, erfreuen uns der grandiosen Landschaft, bis wir abends in Bayi jäh von der Polizei gestoppt werden.

Sie wollen die Papiere sehen,
und sehen sofort rot!
Heike und ich dürfen nicht mehr hier unterwegs sein.
Wenn wir es versäumt haben ab Lhasa zu fliegen, dann eben jetzt hier ab Bayi.
Wir dürfen noch gerade die 150m zum einzigen internationalen Hotel um die Ecke fahren, und Schluss ist. Weiter-Fahrverbot.

Am nächsten Morgen soll der AgenturGuide die gekauften Flugtickets vorzeigen kommen.

100817-passhohe
Das ist garnicht so einfach. Zunächst muss Mr.Zhang erstmal ne Erlaubnis einholen um für Ausländer Tickets kaufen zu dürfen. Dauert rund 2h und kostet etwas.
Gegen Mittag versucht er dann Flugtickets zu kaufen, aber das geht auch mit Geld nicht: die nächsten 10 Tage sind alle Flüge nach Chengdu ausgebucht.
Erste Klasse geht noch, 600 Euro, aber das ist ihm zuviel, und wir beteiligen uns an diesen Fluchtkosten auch nicht.
Was jetzt ?
100817-kongputal
Wieder stundenlange Diskussionen, Abmachungen und Verwerfungen.

Dann der Plan:
Wir fahren alle weiter mit dem Gelben gen Osten. Heike und ich müssen hinten im Koffer verschwinden. Wenn Polizei oder Militär in den Koffer schauen will, dann gibt es drei Klopfzeichen und verschwinden kurz ins Bad.
Ob wir damit einverstanden sind ?
Naja, in Bayi wollen wir nicht bleiben,
und zusammen mit dem Gelben weiter kommen ?

Wir willigen ein.

100817-bayi-chinapostmodern

Namtsho, der See

100814-namtsho-m-monchen Vor Lhasa biegen wir kurz nochmal nach rechts ab. Über einen Pass zum Namtsho See. Am Ufer haben Mönche ein wunderschön gelegenes Kloster errichtet.
Und sobald es gegen Abend geht, die Touristenscharr abebbt, da kommen sie raus an den See…,
und finden uns.
10814-namtse-seefahnen Mit einer Höhenlage von 4.718m ist der Namtsho noch lange nicht der höchstgelegene See.
Die gehen in Tibet bis 6.400 Meter rauf.
Aber nach unserem Augenschein ist er dennoch ein besonders schöner.
100814-namtsho-tafeln Am schönsten wäre uns allen eine Übernachtung am See,
aber das geben unsere Permits nicht her.

Wäre es nach „denen“ gegangen, dürften wir nicht mal hier sein,
aber etwas Überredungskunst
und ein kleines Bakschisch machen uns diesen Ausflug dann doch möglich.

5.231 Meter

100813-5231m-fahrzeuge Wir sind zwar erst seit vier Tagen in diesen Höhen unterwegs,
aber es geht uns allen gut.
Heute ist Rekordtag: Auf der „G109“ erreichen wir den höchsten Pass der gesamten Reise,
die Marke liegt bei 5.231 Metern über NN!
100813-nur-schild Wie immer haben die Tibeter an so einer Stelle bunte Gebetsfahnen mit unzähligen Wünschen angebunden. Die Fahnen müssen im Wind flattern, damit die Wünsche es leicht haben in den Himmel getragen zu werden.
100813-5231m-fahne1 Dabei sind sie in der Wahl der Wünsche nicht zimperlich:
„Ein langes Leben“ rangiert kurz vor
„genügend Geld zum Leben“.

Als wir mal selbst die Wunschliste weiter erraten wollen und von einigen Kindern sprechen, da zucken die chinesischen Mädels zusammen…, nein, nein, ein Kind reicht,
naja, vielleicht ein zweites….

Höhentraining in Golmud

100812_1-gruppe Auf dem Weg nach Tibet.
Und je näher die Truppe kommt, desto mehr gehts ums Thema Höhenkrankheit. Auweija, was wird das bloss.
Beim zweitägigen Aufenthalt am Qinghai Hu (See) auf 3.200 Meter wird so nebenbei und zwangsläufig akklimatisiert.
Und weil das nicht reicht wird in Golmud ein Berggang eingelegt.
Zu Fuss, das hatten wir ja überhaupt noch nicht.
100812_2-gsl-vor-berg Kurz auf die Berge zugefahren, ausgestiegen,
und sagenhafte 350 Höhenmeter in Angriff genommen.
100812_3-spalte Die können sich nun wirklich nicht der Herrschar erwehren.
haben aber eine kleine Falle parat,
in die Dennis natürlich hineintappt.
100812_4-ampulle Und wenn das alles garnichts hilft: dann gibt es da noch die tibetische Allzweckwaffe gegen alles Hohe, wohldosiert in roten Ampullen.
Täglich drei Stück davon. Nicht zu injezieren sondern lediglich zu trinken.
Es handelt sich ja auch um Tee, aber seeehr Speziellen…..
Wir werden weiter berichten.

Nudeln

100808_1-nudelsuppe-auswahl Es gilt über ein besonderes Phänomen der Chinesen zu berichten.
Selbst die Lufthansa bietet seit geraumer Zeit neben den bekannten Watte-Sandwiches auf den China-Flügen diese wichtige, wenig nahrhafte und verwirrende FastFood Mahlzeit an:
die Papp-Nudel-Fünf-Minuten-Suppe ohne heisses Wasser.
Der Rest ist jedenfalls vollzählig und zahllos beigegeben.
100808_2-nudelsuppe-zhao Die Auswahl ist erschlagend, aber wichtig zu unterscheiden.
Die Grundschärfe spielt bei der Wahl eine herausragende Rolle, und entscheidet über „machbar“ und „für alle und jeden ungeniessbar“.
Faustregel: re röter je heftiger. Wobei die Basisversion auch für ungeübte schon sichtbare Trauer auslöst
Eine kleine Ernährungsberatung:
:100808_3-nudelsuppe-tuetchen2 Nach Öffnen des widerspenstigen Deckels tut sich ein Heer von Tüten und Tütchen auf.
Alle wollen sie vor der heissen Flut geöffnet und vermischt werden.
Sie wollen vielleicht…, aber hier beginnt der geschulte Europäer sich zu zieren. Alles kann, aber nichts muss.
Und je weniger hineinkommt, je weniger ungemach wird man sich einhandeln.
Andererseits: wer alles bezahlt will auch alles bekommen. Naja, hier kann die Völlerei schnell und je ausgebremst werden.
Vielleicht gehts hier auch mal mit „Less is more.“
100808_4-nudelsuppe-heisses-wasser Zum ganzen Schluss fehlt noch heisses Wasser, aber da das Problem ja auch 1,3 Milliarden Chinesen haben, gibts dieses heiss und sehr heiss gehaltene Wasser wirklich überall und immer.
100808_5-nudelsuppe-essen Trotz aller bisher aufgewandter Vorsicht:
Die letzte Hürde kann dann doch alle Bemühungen zunichte machen: wenn denn die kleinen Nüdelchen sich arg zu heftig wehren verschlungen zu werden.
Aber da weiss ich dann auch keinen Rat mehr.

DieselFilterPanne

100810-panne-1-nachts-gsl Es kommt wie kommen musste.
Kaum soll der Gelbe mal zeigen was in ihm steckt, da geht im spontan die Puste aus. Auweija.
Es geht am QingHai See die Berge rauf, aber das haus wackelt, rappelt und verschluckt sich ohne Ende.
ich will es noch bis zum Übernachtungsplatz schaffen,
aber „Er“ schafft es nicht.
Eine kleine Haltebucht rechts am Fahrbandrand, und Schluss ist.
100810-panne-2-nachts-gsl Die Truppe ist gut vorausgeeilt,
und kommt wieder zurück.

Like, unser Tourguide, im Hauptberuf Automechaniker, fühlt sich sofort gerufen, war er aber nicht.
Mein Verdacht ist seit vielen Kilometern klar: der DieslvorFilter, Typ Separ.
In diesen Regionen hat er Schwerstarbeit zu leisten, und ist wohl mit der aktuellen Filterbestückung am Ende. Ist ja auch diesselbe seit dem Pamir.
Kein Problem, hab Ersatz dabei, aber den falschen. Zwei Ersätze geben einen richtigen. Es wird Nacht, es beginnt heftig zu regnen.

100810-panne-3-m-volk Deckel wieder auf den Separfilter, Führerhaus kippen, kurz Dieselleitungen entlüften. Starten: nix geht. Nochmal entlüften, weiter geht nix.

Ein Fall für Like. Leider.
Der schraubt kurzerhand den ganzen Filter raus, will Dieselleitungen kurzschliessen, Filter überbrücken, elimieren und vollkommen neu verdrahten.
Ich kann ihn nicht bremsen. Immerhin übernimmt er genau das selber. In dem Moment, wo er feststellt, dass die abgeschraubten Leitungsenden nimmer anders zusammenpassen wollen.

100815-tibet_lhasa-bahn-m-gelb Jetzt darf ich wieder Ratgeber sein.
Like willigt ein, Deckel neu montieren. Jetzt seeeehr gleichmässig die Deckelschrauben festziehen, Dieselleitungen entlüften…,
und der MAN rennt wieder.
Genau bis zum Übernachtungsplatz: eine Jugendherberge am Seerand. Auch das einfache aber köstliche Abendessen, genau richtig.

Am nächsten Morgen: kurz starten, und aus ist er, der MANN.
Noch immer die Deckeldichtung. Irgendwo hab ich sogar ne neue, aber wo ?
Da muss die alte nochmal her, aber eben jetzt im Tagelicht gaaanz sorgfältig und gaaanz gleichmässig festziehen. Entlüften,
Nu rennt „Er“ wieder, verschluckt sich nicht mehr und zeigt dank Turbolader ne menge Leistung auch über 5.000 Höhenmeter.
Hier ein Bild zusammen mit der Tibet-Lhasa Eisenbahn.