Mo.16Mai22 – Lichtmaschine abgeraucht

Immerhin läuft der Steyr inzwischen über 10.000Km durch Afrika ohne zu Murren + ohne Wehklagen.
Aber just im nördlichen Süd-Afrika meldet sich die Elektrik zu Licht:
Kein Strom von der Lichtmaschine.
Sofort rechts ranfahren und nachschauen.
Der erste Verdacht fällt auf den Keilriemen, der der sitzt Bombenfest.
Dann die Kabelverbindungen? Auch alles unverdächtig.

Da ist die Gegend hier schon etwas verdächtiger.
Noch vor zwei Stunden musste ich versichern das ich hier keinesfalls aussteige und draussen herum laufe.
Es wimmelt voller Löwen, und vieler anderer, sehr gefährliche Tiere. Schliesslich bin ich im Kgalagadi-Transfrontier-Nationalpark, kurz KTP, an der Grenze zu Botswana, Süd-Afrika + Namibia.
Direkt schon beim Aussteigen stolpere ich über Skelette von abgenagten Tieren.

Es hilft alles nix, und ich finde auch weiter nix.
Einsteigen weiter fahren, mit schöner rot leuchtender Kontrolle.
Am nächste Tag im Park geht dann plötzlich alles wieder. Am übernächsten Tag gehts nur zur Hälfte, udn dann wieder ohne Fehl + Tadel.

In solchen Fällen bleibe ich recht digital:
entweder die Lichtmaschine geht oder sie geht nicht. Alle Halbzustände werden ignoriert.
Bald finde ich heraus, dass ein kurzer Gasstoss die Zellen wiederbeleben vermag.
Also, Kupplung treten, bis gerad über 2.000 Umdrehungen hochjubeln, und schon geht diese kleine überflüssige Rot-LED wieder aus.

Eine gute Woche im Park ist zu Ende. Aber die beiden südlichen Grenzübergänge nach Namibia sind geschlossen. Corona! Warum auch immer das eine Begründung sein kann.
Umweg rund 500Km. Aber was heisst das schon in Afrika.
Hier ein Wegweiser beispielsweise aus dem Park …

Wegweiser im Kgalagadi-Transfrontier-Nationalpark, alle Camps liegen IM Park.
Die Sackgasse ist 300Km lang, der einzige Weg führt wieder zurück zum Ausgangspunkt.
Da sind mal schnell 1.000Km leicht im Park nur so herumgecruist.
In einer Woche, versteht sich.

Also gehts dann auch direkt nach Upington hinein, nochmal zum vorzüglichen Steakhouse.
Genau zur Stadteinfahrt nach Sonnenuntergang geht dann garnichts mehr.
Nichtmal das Fahrlicht aus der Batterie.
Was ein Glück das ich in Afrika bin, da bin ich dann nicht wirklich der einzige Blinde unterwegs.

Am nächsten Morgen bei Küchenarbeiten entdecke ich direkt gegenüber dem Steakhouse die „Hi Tech Auto Eletkries.“
Komisch, ich hab noch nicht mal angefangen einen Spezialisten zu finden, da hat er mich schon gefunden.

Chef + Vize entern den Motorblock, messen, suchen, finden und wägen ab.
Ihr erster Verdacht war auch der meine: die Reglerplatte mit den Kohlen.
Schliesslich ist das gute Teil auch schon über 30 Jahre alt.
Der visuelle Check entdeckt den Fehler nicht.
Neue Kohlen hinein, die Lima auf den hauseigenen Prüfstand …

Ergebnis: Nix.
Immer noch kein Strom.
Bleibt nichts übrig als den Arbeitsverweigerer aufzuschrauben.
Kaum ist das Gehäuse auseinandergenommen weichen die Experten zurück: da hats gebrannt.

Und jetzt?
Reparatur unmöglich.
Da muss eine neue her.
Jetzt kommt das Backoffice dieses Spezialisten zum Zuge.
Es wird telefoniert, im Rechner gesucht, verworfen und weiter gesucht.
Nach kaum 20min. setzt der Cheffe in den Pickup und verschwindet auf Afrikas Strassen.
Wieder 20 min. später ist er zurück,
und hat im Gepäck eine neue Lichtmaschine.
Huch, wo hat er die denn hergezaubert?

Und sie passt wie angegossen.
Leistung (35Ampere, wie gehabt), Anschlüsse, alles wie gehabt. Kein Umbau erforderlich.
Und warum findet man hier in Afrika eine Steyr-Lichtmaschine?

Kein Problem meinen die Herrn. Dies wäre im Original ein sehr verbreiteter Bosch-Typ.
Quasi eine Universal-Lima, für Betonmischer, Minikipper oder GüllePumpen.
Na dann…,
dabei dachte ich der Steyr wäre etwas besonderes …

Boiler, die (un)endliche Geschichte

Ein Boiler bereitet für gewöhnlich kaltes in warmes Wasser auf. Dazu hat er im Wohnmobil ein Separée zugewiesen bekommen und soll hier seinen Dienst geräusch-, geruch- und fehlerlos erledigen. Möglichst jahrelang.
Meiner kommt aus dem Hause Elgena. Ein renommierter Hersteller in München, der gar nichts anderes macht als jeden Tag nur Warmwasser-Boiler herstellen.
Nur mit dem fehlerlos, das hat nicht so richtig geklappt.

Im Sommer 21, also noch in der Heimat, der erste Aussetzer: der Boiler spuckt Wasser. Schweissnähte sind undicht. Ein lokaler Stahlbauer nimmt sich des Boilers an und schweisst nach.

Der erste Versuch war bestimmt gut gemeint, aber ich finde noch neue undichte Stellen.
II.Schweissdurchgang.

Der Steyr tritt seine Schiffsreise an. Ausgeladen wird er in WalvishBay, Namibia.
Zwei Monate geht’s gut dann tropft der Boiler im Januar 22 so sehr, dass das Wasser aus der Klappe nach aussen läuft. Ich hörs vom Wohntisch aus durchs offene Fenster tropfen !
Gottseidank ab ich von Anfang an eine hermetisch zum Innenraum abgeriegelte „Wasserkiste“ vorgesehen. So bleibt der Innenraum von der Flutwelle verschont.

Nach kurzer Recherche in Swakopmund gibt es einen Spezialisten deutscher Abstammung. Willi Rugheimer und sein Sohn nehmen sich des Boilers an. Am nächsten Tag kann ich ihn wieder abholen + einbauen.

Diese Arbeit hat genau 7 Tage gehalten.
Der Boiler tropft. Zurück zu Willi.
Er drückt den Boiler mit Luft ab und kann keine Undichtigkeit entdecken. Ich bau den Boiler noch in der Nacht vor seiner Werkstatt ins Wassernetz des Steyr und siehe da: acht (acht) neue undichte Minilöcher aus denen es tropft, tröpfelt oder regnet, he nachdem. Markierungen helfen in der Werkstatt.

Am nächsten Morgen geht der Boiler wieder zurück. Gegen 12h kommt er repariert wieder heraus zum Steyr. Und geht dort direkt auf den neuen Teststand. Aus Teilen meiner grossen Ersatzteilkiste hab ich zwei längere Schläuche mit Absperrventilen gebaut. Jetzt wird der nackte Boiler nur draussen auf den Campingtisch gesetzt und mit 20 Liter Wasser gefüllt. Druck 2,7bar.
Ergebnis? Immer noch 4 Stellen mit Wasserverlust.

Sofort wieder in die Werkstatt mit dem inkontinenten Teil.
Jetzt nimmt sich der Juniorchef selber dem Teil an. Seine Schweissnähte sehen tatsächlich noch etwas besser aus.
Ergebnis auf dem Teststand: dicht. Wir schreiben den 27.Jan.22
Boiler einbauen, wieder unterwegs im schönen Namibia.
Bis zum 4.Febr..

Am 7.Febr. ist der Wasserverlust schon wieder so gross, das ich den Boiler still legen muss.
Ich bin inzwischen in Windhoek angekommen. Was jetzt ?
Ein paar Telefonanrufe, ein Besuch bei einem grossen Metallbauer in der Hauptstadt.
Nochmal ein Anruf bei den Rugheimers.
Ok, ich fliege in den nächsten Tagen eh für einen Kurzbesuch nach D.
Dann bringe ich den eindeutig kaputten und ungeliebten ELGENA-Boiler jetzt noch schnell nach Swakop, und die Rugheimers bauen mir eine ganz genaue Kopie dieses Boilers. Vollkommen NEU.
Mit Wärmetauscher, E-Heizung, Entleerung usw… In fünf Wochen ist er fertig, dann hole ich ihn ab.
Allerdings: die neue Wandstärke des Edelstahlboilers wächst dann von 0,9mm auf 2mm. Das war von Anfang an der Kritikpunkt von den Rugheimers.

5 Wochen später. Der Boiler ist fertig. Er wiegt eindeutig schwerer als der alte. Das schafft Vertrauen.

Neuerlicher Zeitsprung. Es ist der 20.April 22 geworden.
Der Steyr cruist jetzt durch Süd-Afrika.
Aber irgendwie ist zumindest der Boiler ganz der Alte: er ist undicht.
Im Moment noch so gering, das ich es gut ignorieren kann.
Aber irgendwie geht die wurmhaltige Geschichte weiter, leider …

Mi.29Dez21 – röhrender Hirsch

Namibia ist schön. Sicher ein besonders schöner Aspekt sind die Pisten und Pads. Kein Steyr muss hier Asphalt fahren. Zu jeder geteerten Hauptstrasse gibt es mindestens 20 staubige, holprige, verschlungene Nebenwege. Wunderbar.

Auch Wellblechpisten sind in ansprechend grosser Zahl vorhanden.
Sie stellen dann allerdings den Fahrer später, oder gern auch früher auf eine mentale Geduldsprobe.
So ist es eben mit den schönen Dingen, es kommt auf die Dosierung an.

Für meine Auspuffanlage war es dann doch zu viel.

100 Km nordwestlich von Opuvo fängt der Hirsch an zu röhren.
Sekunden danach scheppert er.
Eine Schweissnaht ist wohl über Tage und Wellblech komplett gerissen, das Rohr ist in den Schotter gefallen und schleift übers Pad.
Da ist zunächst mal eine Schadensbegrenzung gefordert.
Mit Lochband binde ich das offene Rohr hoch.

Nächstes Ziel die Opuvo Country Lodge.
Herbert hat den edlen Schuppen erst vor drei Monaten übernommen.

Ich frage Herbert nach einem Schweisser mit dem Spezialgebiet Edelstahl, denn aus Edelstahl ist meine komplette Auspuffanlage.
Gleich neben der Rezeption hat er eine kleine Werktstatt die gerade sogar zwei LKW-Achsen in Arbeit hat, aber Edelstahl schweissen?
Der Mechaniker ist schon verständigt und kommt wenige Minuten später zur Halle.

Also gehts mit dem Steyr vor die imposante Halle die innen fast vollkommen leer ist.
Mbungo kommt vorgefahren… Klar, Edelstahl kann er auch schweissen !

Einserseits bin ich erleichtert, aber andererseits …

Mbungo ist schneller unter dem Steyr als ich ihm eine Matte anbieten kann. Er hat die Bruchstelle schnell geortet, aber die Muffe will nicht vom Topf runter rutschen. Dann wird eben hier genau geschweisst unter dem Steyr, ohne den Auspuff abzubauen.

Ich seh mein Haus schon in Flammen aufgehen, warne, melde Bedenken an, schau in den Himmel nach meinen Schutzengeln … und die geben Entwarnung.

Mbungo rollt nicht mit zwei riesigen Gasflaschen an, er schwingt ein kleines Elektro-Schweissgerät am Arm.

Okay, das wird der Steyr überleben.
Aber Edelstahl elektrisch schweissen ?
Das können wir alle vergessen, die inzwischen um die Arbeitsstelle herum stehen.

Ich geb noch zum Besten das Edelstahl kaum elektrisch zu schweissen geht,
aber Mbungo hat die Elektrode schon am Rohr.

Einsatz ist alles, er schweisst, klopft, schweisst, klopft.
Dann ist er zufrieden.
Ich frage Herbert was ich ihm zahlen soll. Herbert meint das bestimme ich selbst.
Sicherheitshalber bringe ich noch zwei Lochbänder an die Rohranlage. Wenn dann die Schweisstelle aufgibt, dann bleibt der Auspuff wenigstens oben und knallt nicht auf die Strasse.

Nachtrag:
Man soll ja nicht so voreingenommen sein, und schliesslich sind wir in Afrika.
Vielleicht kann man Edelstahl ja doch elektrisch schweissen?
Jedenfalls bis heute, 4.000 Km auf Rüttelpisten später sitzt das Auspuffrohr immer noch da wo es sein soll.
Danke Mbungo!

Mi.01Dez21 – Brandgeruch

Seit einigen Tagen fliegt immer mal wieder die Sicherung der gesamten Innenbeleuchtung heraus.
Zunächst sitzt man sich recht schlecht im Dunkeln, und zum weiteren: die Innenbeleuchtung besteht aus 13 LED-Lampen mit ebenso vielen langen Kabeln hinter Möbeln und Staukisten.
Bevor ich die Mammutaufgabe beginne drücke ich die Sicherung wieder rein …
Und es geht wieder!
Wunderbar das ich genau hier den einzigen Sicherungs-Automaten eingebaut habe.

Zwei Tage später wieder: Sicherung raus.
Neuer Versuch sie die wieder reinzudrücken…, geht wieder

1,5 Tage später, die Sicherung ist wieder draussen.
Und jetzt ?

Kleiner Trick des Hobby-Elektrikers:
Statt 5 Ampere wechsele ich auf 30 Ampere, mal schauen was dann passiert ….
Kann ja auch sein, das der Automat defekt ist …

Ist er aber nicht.
Die Sicherung fliegt jetzt nicht raus,
aber es riecht ziemlich streng.
Ein RundumBlick durch die 10qm-Wohnungv reicht,
über dem Bett hat sich eine dichte, weisse, übel riechende Wolke versammelt.

Sofort spring ich aufs Bett, der Oberschrank ganz hinten scheints zu sein,
Klappe aufreissen, alles brennbare mit einer schnellen Handbewegung herausreissen ..
da ein Kabelstrang der fast glüht.
Mit entschlossener Handbewegung das Kabel von den Klemmen reissen.

Autsch !!!
Ich verbrenne mir zwei Finger,
aber besser die als die ganze Wohnung …

Das Bild des schwelenden Feuers
Die Zuleitung für den Flexstrahler (Leseleuchte) am Bett hatte ich wohl leider mit der dicken Plastik-Mutter der USB-Steckdose zu stark verquetscht. Und damit die beiden zarten Leiter etwas heftig zusammen geführt.
Ergebnis: ein Kurzschluss. Aber einer der eben nicht sooo ganz dolle war, das die Sicherung jedesmal SOFORT rausflog, sondern eben nur ein bisschen.
Zeit genug für die Kupferdrähte mal so richtig heiss zu werden.

Die Isolierung der Kabel hat als erster dran glauben müssen. Sie hat sich einfach aufgelöst.

Die Reparatur war dann recht simpel: neue Litzen an die Flexleuchte angeschlossen, die USB-Steckdose mal sehr sorgfältig und klemmfrei angezogen,
Fertig …

Nochmal gut gegangen.