06.Aug. – schon wieder umdrehen …

Nach dem Frühstück stabilisieren wir erst einmal das Reserverad von Max. Spannbänder haben sich gelöst und Metallarme zollen den Betonplatten wohl einen Tribut.
Wie gut das der Mog eine kleine Haube hat, da kann man vorzüglich im Sitzen reparieren.

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Wir starten ganz locker und frohen Mutes.
Aber der dauert nur rund 20 Minuten.

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Hinter einer Kurve gehts bergan, und die Holzrücke-Fahrzeuge haben in den letzten Jahren hier tiefe Furchen produziert. Die tiefsten Täler sind bestimmt 80cm tief. Viel zu tief auch für die Portalachsen des Unimog.

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Ich geh rund 1,5Km zu Fuss voraus um zu schauen wie sich der Weg entwickelt.
An sich wirds hinten besser, aber wir haben nur einen Spaten. Nur wenn wir die Spurrillen auffüllen, mit Birken und Kies, nur dann kommen wir weiter. Ein Tag ist da schnell rum.
Wir beraten uns.

Ab hier sind es noch rund 100Km über Pisten die wir nicht kennen. Einige Flussquerungen können wir in der Karte ausmachen.
Wir geben auf. Es fällt nicht leicht.

Und es geht wieder zurück über die frisch gebauten Brücken und sie halten.
Aber ein tolles Gefühl wird es trotzdem nicht.

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06.Aug. – neuer Plan

In Agirish brauchen wir eine Denk-Pause. Das Dorf hat uns kein Glück gebracht,
und anderen offenbar auch nicht …

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Die Dorfjugend entdeckt uns,
wir basteln einen neuen Plan. Darin sind wir schon längst Profis.
Und der nächste klingt abenteuerlicher als alle anderen zuvor.

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Wir wollen am Linksknick südlich Agirish jetzt einfach wieder nach Norden abdrehen,
und landen nach 30Km vor vielen Schildern, Stacheldrahtzäunen, und beleuchteten Fabrikanlagen.

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Google-Übersetzer liefert uns auch gleich die Fakten:
Wir stehen vor dem Beginn einer Privatstrasse der Gazprom.
Befahren für Unbefugte verboten.

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Wir wollen jetzt genau an diesen Schilder unseren Übernachtungsplatz aufschlagen.
Und wenn die vorbeifahrenden uns unbehelligt lassen, keiner nach dem woher-und-wohin fragt, bis morgen früh,
dann werden wir einfach diese Privatstrasse nehmen.
Okay, ich stell mir den Wecker, wir wollen schon gegen 6h im Morgengrauen losfahren…,
quasi ein bisschen im Schutze der Dunkelheit …
na denne …, Gute Nacht.

07.Aug. – Stopp mit Wärter

Der Wecker klingelt, die Diesel sind schnell gestartet, die Piste geht easy.
Auf die Sandhaufen müssen wir aufpassen, da liegt schon der Reparaturkit für den nächsten Winter parat.

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80 Min. und 40 Km später fahren wir durch ein Arbeitslager der Gazprom. Viele Schrottfahrzeuge stehen am Pistenrand. In Sichtweite wird eine Mega-Pipeline in den Boden gestampft.

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Rechts parkt ein besonders hochbeiniger UAZ, der hätte uns gestern wirklich sehr gut gepasst …

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Genau 250 Meter weiter wird unser Vorwärtsdrang nachhaltig gestoppt.
Eine Schranke versperrt den Weg, die Aufschriften können wir zunächst nicht entziffern.

Ein Lada braust heran, wir wurden wohl schon bemerkt.
Der Schrankenwärter steigt aus, hat den Schlüssel in der Hand, geht aufs Schloss zu und fragt beiläufig nach irgendeinem Permit.
Wir stutzen …, und er jetzt auch !
Wir haben keinen Passierschein !
Oh ! meint er, dann könne er nicht aufschliessen !

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Was jetzt folgt wundert uns sehr, bringt uns aber letztendlich nicht weiter.
Der Schrankenwärter telefoniert mit seinem Betriebsfunkgerät quer durch die Instanzen. Im nördlichen Punga organisieren sie einen Dolmetscher. Ihm tragen wir unseren Wunsch vor:
Wir möchten hier durch !

Er fragt nochmal nach: „Nach Punga? Hier ist nichts weiter als Fabriken, nichts für Touristen.“
„Wir wollen aber nach Punga, und dann vielleicht weiter nach Westen.“
„Nach Westen? Da gibt es keine Strasse, nur eine Schneepiste im Winter!“
„Ja, wir wollen es aber versuchen …“

Wir geben nicht auf, unser Dolmetscher telefoniert mit der Verwaltung in Yugorsk. Er bietet an, das wir wieder 160Km Piste nach Yugorsk zurück fahren, dort können wir versuchen einen Passierschein zu beantragen, und dann wieder zur Schranke hier zurück kommen, nochmal 160 Km Piste.
„Nein, telefonisch können wir das nicht erledigen.“

Und jetzt ?

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08.Aug. – Wassermarsch

So richtig Lust uns das Permit zu beschaffen haben wir nicht. Max hat in seiner Karte sowieso eine Umfahrung dieser Sperre gefunden. Also fahren wir nur rund 20Km zurück und biegen ganz entspannt nach Osten ab. Frühstückspause.

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Dieser Weg ist uns schon ein Stück sympathischer. Er ähnelt viel mehr unseren bisherigen Klein-Wegen, als dieser Gazprom-Trasse gerade eben. Auch wenn jetzt der Baumabstand wieder heimlig nahe kommt, und uns die Fahrspur weitestgehend unter dem Schlamm verborgen bleibt, egal …

Wir, bzw. Max marschieren entschlossen das Terrain ab. Wir sind halt Profis.

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Hinter der nächsten Wegbiegung wirds wieder gaaanz anders.
Das lieben wir ja hier an diesem Jungle:
Mann weiss nie welche Aufgabe sich als nächstes in den Weg stellt.

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Vor uns liegt wohl ein Sumpfgebiet.
Das hatte die Karte auch schon erahnen lassen: immerhin sind wir in einem Quellgebiet von drei Flüssen.

Irgendwer hat vor Jahren ein paar Karren Sand ausgeschüttet, und damit der schön liegen bleibt einfach ein paar dieser Birken drüber geworfen. Sieht wirklich romantisch aus.

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Diese Etappe stellt sich aber ganz schnell als ganz besonders tückisch heraus.
An vielen Stellen ist der Sand unter den Birken verschwunden, sie schwimmen nur noch auf. Der Sand selbst ist reiner Fliessand: drehen die Räder nur kurz durch, ist der Sand sofort verschwunden, weil abgerutscht.

Der Unimog rotiert wild, springt über Birken, wühlt sich durch den darunter liegenden Sand,
und irgendwie schafft er es auf die nächste trockene Stelle. Ufff, das war recht knapp.

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08.Aug. – Unterwasserbergung

Der MAN schafft nur die ersten Meter…,
… und sitzt mit dem Kühlerschutz auf einer mächtigen Birke auf. Die hat er allerdings vorher noch tüchtig unter die Wasseroberfläche gedrückt. Gottseidank hat der Kühlerschutz gehalten, wenn er auch etwas seine Form verloren hat …

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Alle Räder finden in dem „Fech-Fech“ keinen Grip. Wenn wir den LKW ins Schlepp nehmen, droht der Kühlerschutz an der Birke hängen zu bleiben. Der Unimog steht zudem viel zu weit weg.
Was jetzt ?

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Zunächst sortieren wir die Baumstämme, störende werden aus dem Weg geräumt und zu einer kleinen Rampe zusammengestellt. Wir müssen den Untergrund tragfähiger machen.
Versuche zuvor mit Brettern und Klötzen scheitern kläglich.

Diesmal sind auch unsere „Rahmen“-Bedingungen für die Bergung besonders tricky. Viele Birken schwimmen lediglich, aber welche. Der Sand ist reiner Fliessand und gibt keinen Halt. Wir stolpern durch den Parcour, Wassertiefe oft mehr als einen Meter.

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Inzwischen hab ich eh das Gefühl in einem Werbeclip für die Fa.Vetter zu stecken. Schon wieder bieten diese Hebekissen eine gute Chance aus dem >Schlamassel heraus zu kommen.
Diesmal bringt sie Max unter die gut ausgefederten Vorderräder, und die liegen rund 35cm unter Wasser.

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Die Dichtprüfung unter Wasser besteht ein Kissen nicht. Egal, wir haben nicht die freie Auswahl. Müssen wir halt schneller aufpumpen als das Loch die Luft verlieren kann.
Und viele Versuche hier wegzukommen haben wir auch nicht. Jede Bewegung im Zuckersand quittiert der mit panikartiger Flucht. Grip für den Weg ins Trockene gibts hier sowieso nicht. Da heisst es mit allen Rädern sehr schön gleichmässig und langsam das rettende Ufer anstreben.
Und zwar rückwärts.

Und es gelingt tatsächlich.
Der MAN schleppt sich selbst langsam zurück,
die Hebekissen springen neugierig wieder an die Wasseroberfläche.

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08.Aug. – Rückzug

Der MAN steht zwar rückwärts zur Fahrtrichtung, aber immerhin schon auf dem Trockenen.
Der Unimog steht dagegen abgeschlagen hinter unserem Birken-Sand-Viel-Wasser-Feld.
So ganz wohl ist mir nicht. Das Rettungsmanöver von Max hat die Strecke auch nicht verbessert.
Zum Wenden bleiben 30cm in jede Richtung, bevor der Sumpf uns verschlingen kann.

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Dann die Bewährungsprobe:
Ich geb dem Möggelchen die Sporen, alle Sperren geschlossen, nur der kleinste Gang.
Viel Motorleistung treibt das Ackergerät durch den umgefallenen Wald …

… und es gelingt tatsächlich.
Mein Respekt vor dieser Arbeitsmaschine wächst ins Unermessliche …

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Einer gesicherten Weiter, bzw. Rückfahrt steht jetzt tatsächlich nichts mehr im Wege,
denn den Weg kennen wir ja schon: es geht zurück …
aber zunächst pausieren wir in Anbetracht dieser sibirischen Herausforderung.

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Wir haben einen neuerlichen Entschluss gefasst:
Der Unimog hatte zwar diese Passage geschafft, aber wer weiss was in den nächsten 50Km noch alles kommt. Soweit sind es nämlich noch bis zur nächsten Kleinsiedlung.
Andere Routen sind noch wesentlich weiter östlich in den Karten gezeichnet.
Alle Russen sprechen allerdings auch immer von „Winterrouten“,
und warum, darüber können wir uns jetzt mehr und mehr ein eigenes Bid machen.

Also geben wir unser Ziel der Uralumrundung auf.

09.Aug – wieder in Yugorsk

Nach so viel Tagen im Outback kann man natürlich auch etwas Zivilisation schätzen.
Der erste Besuch geht zu den schon längst bekannten Autowäschern.

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Ich such mir nen Waschsalon für meine Klamotten, denn ab jetzt könnte es ja wieder etwas ordentlicher zugehen.
Leider übersehe ich dieses Schuild und komme zu spät zur Abholung. In Russland kein Problem, man kennt sich und ein Nachbar klingelt die Wäscherin wieder herbei.

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In Yugorsk fühlen wir uns wohl, eine jugendliche Stadt. Hier wohnen vor allem Arbeiter für die Gas- und Ölfelder rund 30 bis 200 Km nördlich von hier.

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Für unsere letzte gemeinsame Übernachtung wählen wir den Friedhof.
Schliesslich haben wir ja auch eine Idee zu begraben,
jedenfalls für diesen Sommer …

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09.Aug. – Westlich des Urals

Rund 5.000Km Heimreise liegen vor mir. Ich wähle die Strecke über Moskau, hab dort noch etwas zu erledigen. Max geht südlicher durch die Ukraine.

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Auf der Höhe von Perm versuch ich nochmal nach Norden auf die westliche Seite des Urals zu kommen, aber auch hier ist nach 400Km Schluss. Ich bin nur noch alleine unterwegs, und da werde ich rein garnix riskieren. Aber ich kann mir diese Gabelung ja schon fürs nächste mal merken, jetzt gehts erstmal wieder die 400Km zurück, zur M9, Richtung Moskau.

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Holzlaster prägen nicht nur die Fahrspuren im Outback. Hier sehe ich auch wo sie ihre Fracht loswerden. Bei einem Sägewerk fährt so ein rauchendes Ungetüm vor.

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Die Cheffin kommt raus und misst stichprobenartig die Durchmesser der Stämme. Danach richtet sich dann der Preis.

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Moskau empfängt mich mit bestem Wetter, wie übrigens auf der ganzen Tour.
Ich halte vor dem mir längst bekannten Fahrradladen …

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… und leiste mir ein besonderes 26″ MTB mit Klapptechnik….
Die Verhandlungen sind zwar zäh, aber letztlich erfolgreich: mit einem win-win Handschlag.

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