21.Okt.–Jinan: Kastelruter Spatzen

101021-jinan-weinkeller-redpanda Während wir so draussen vor der Werbecompany am Gelben erzählen, da kommt ein weiterer Chinese die ausgeklappte Treppe herauf.

Woher ich denn käme, aha, soso…
Ob er denn uns alle auf nen Tee in seinen Weinkeller gleich unter dem Theater der Stadt einladen dürfe, schliesslich ständen wir ja schon davor…

Okay, dann gehen wir alle zusammen in den Weinkeller.

Aber oh Schreck…,
das kann ich ja alles lesen …..

101021-jinan-weinkeller-gsldong Mr Dong vertreibt Weine,
aber nur österreichische !!!!
„Vereinte Winzer“ steht denn auch auf Türen und Gläsern.
Er sei mit einer Österreicherin verheiratet, mindestens drei Monate in den Alpen jedes Jahr,
und er würde uns gerne einladen ….,

in seinen Keller,
denn heute Abend hätte er Freunde zu einer Verkostung eingeladen. Es kämen auch einige Deutsche dazu.

101021-jinan-weinkeller-vereinte-winzer Na dann kommen wir eben auch.
Nur etwas später, denn vorher wollte ich mit meinen chinesischen Freunden in die BBQ-Street zum Essen.

Aber wir kommen rechtzeitig, weil 21h. Der harte Kern ist nur noch übrig. Die Chinesen pflegen einen anderen Tagesrythmus,
und die meisten sind schon verschwunden.

Klar gibts Wein, die Flasche ab 60 Euro, ein paar sollen wohl auch 130 Euro kosten, aber heute sind wir die Gäste, und sitzen an der Quelle.

101021-jinan-weink-zwei-huebsche Die beiden mussten dann auch schon bald gehen,
aber nicht ohne einen Blick in den Gelben werfen zu wollen.

Als die heftig Toupierte ihn von innen sieht, will sie gleich drinne bleiben. Zeit habe sie, und Mr.Dong versicherte auch sofort sie sei Single.

Mhh, naja, an sich…,
aber diese Frisur, die ist wirklich nicht outdoormässig,
das wird nicht gehen,
na dann….

101021-jinan-weinrunde Angelkika lehrt seit 4 Jahren an der Uni englisch,
Jo und Hubby erweitern für Festo gerade die Produktion um 800 Arbeitsplätze.
Andi ist letztens mit seinem Fahrrad 15 Monate von D nach China gereist, und hat sich inzwischen hier in Jinan ne Wohnung gekauft.

Mr.Dong, der österreichische Weinkenner hat versprochen heute bis 1h auszuhalten.
Und er ist ganz stolz mir „daher“-gereistem einen Abend deutscher Unterhaltung bieten zu können, die Kastelruter Spatzen (von CD) inbegriffen

20.Okt.–Jinan: Red&Co.

101021-jinan-redhelm Ich hab einen HotSpot gefunden, meinen Gelben am Strassenrand geparkt, meinen Läppi aufs Lenkrad gelegt und beschäftige mich mit EmailPost.
Klar drehen sich wie immer viele Köpfe um. Kaum einer kann meine Herkunft am Kennzeichen ablesen. Alles zu fremd. Allein die Farbe schon, dieses Gelb….
Aber ein einzelner Chinese erweist sich als besonders hartnäckig. Er kann zwar kein Wort ausser chinesisch, ärgert sich offenbar auch sofort darüber, aber er deutet auf meinen roten Aufkleber. Irgendwie war er wohl 2007 auch in Tibet, mit dem Motorrad…
101021-jinan-red-studio Er lässt nicht locker, ruft seine Bekannte an und reicht mir sein Handy rüber, ich solle mit ihr reden. Am anderen Ende höre ich wirklich ein gut verständliches Englisch. Mein Chinese lässt fragen, ob ich nicht Lust hätte mit ihm zusammen zu seiner Company zu fahren. Er würde Filme produzieren und dort wäre das Studio.
Uppsss, Tibet UND Filme machen, mmhhh. Ich kenne ihn zwar nicht, aber wieso sollen wir nicht zusammen hinfahren. Abgemacht.
101021-jinan-panda Mich trifft der Schlag. „The Chinese Way“.
Es stellt sich als Werbeagetnur heraus. Locker über 100 Beschäftigte. Alles auf zwei Etagen vor Monitoren.

Reds Reich oben sind die Filmproduktionen. Alles was gutes Geld kostet ist hier versammelt: Silicon Grafics&Co, Betacam, usw.. Panda, die Bekannte vom Telefon ist CutterIn hier, Final Cut Pro…, wir haben echt die gleichen Themen…..

101022-hotpoddinner Er besteht darauf mich am nächsten Tag mit seiner Freundin zum Essen abholen zu dürfen.

Ich hatte darauf bestanden etwas typisches erleben zu wollen. Und so geht es zum HotPod.
Ich dachte, ich würde diese Form des Fondues kennen, aber die letzten vielleicht 20 HotPods unterscheiden sich alle, keines ähnelte dem anderen. Diesmal gab es hauchdünn geschnittenes Fleisch, Gemüse sowieso, und eine Erdnusssosse zum dippen. Köstlich.

Und dank seiner Bekannten ‚Panda‘ konnten wir uns auch alle prima unterhalten.

19.Okt.–Kaiserkanal

101018_chi-bei-ceoloub Den halben Tag fahre ich schon in Sichtweite des Kaiserkanals.
Ich hatte von ihm gelesen, bin von der Autobahn runter und fahre ganz nah mit ihm zusammen nach Norden.
Ich möchte hier auch mein Nachtlager aufschlagen und lande an einem Nebenarm.
Ich sehe zwar keine Schiffe mehr, aber immerhin hat auch das DauergeHupe und das dichte Verkehrstreiben ein Ende.
Am nächsten Morgen.
Der Dunst zieht im tiefen Nebel übers Wasser.
Ein Hirte auf dem Wasser treibt seine Gänseschar voran….

101019-kaiserk-gaense

101019-kaiserk-boo2 1.800 Km zieht sich diese von Menschenhand gebaute Wasserstrasse von Beijing im Norden bis nach Shanghai.

Vor allem Reis, Seide und Getreide wurden von den fruchtbaren Gegenden im Süden, über diesen Kanal nach Norden gebracht.
Die ersten Abschnitte sollen rund 2.400 Jahre alt sein.

101019-kaiserk-boo Parallel zum Kanal entstanden Strassen,
und viele Ansiedlungen.
Auch militärisch spielte  er eine grosse Rolle in der Region.

Durch den Bau der Eisenbahn und die die Verlagerung des grossen Gelben Flusses sank seine Bedeutung.

101019-kaiserk-bruecke Aber auch als Bewässerungskanal für die Landwirtschaft hat dieser Kanal mit seinen vielen Nebenkanälen eine wichtige Funktion.
Deshalb wurde er mit Gründung der Volksrepublik 1949 auch teilweise wieder instand gesetzt.
101019-kaiserk-reihe Vor allem die extrem langen Schleppverbände sind heute sein charakteristisches Erkennungszeichen. Ich hab bis zu zwölf Boote gezählt, die von einem Schlepper gleich einem Bandwurm durchs Wasser gezogen werden.
Die Boote dahinter haben keinen Motor, aber trotzdem ein Deckshaus. Darin lebt meist eine kleine Familie. Sie halten alle zusammen den Wurm auf Kurs.

‚The Chinese Way‘

100811-golmud-lichterbaum Die Chinesen sind schon komisch.

Klar, dass sie im Strassenverkehr keine Angst kennen,
klar auch, dass sie zum Frühstück kein Brot brauchen,
auch klar, dass sie Karaoke singen über alles lieben.

Aber das sie die Natur so mit bunten Lichtern bepflanzen müssen,
oder das sie jeden Türsims mit massenhaft Schnörkeln verzieren wollen.

Das kann einem daher gereisten Europäer schonmal Zahn- schmerzen bescheren, bei soviel zu viel des Süssem.

101007-baummauer-vorher Also wenn ich da mal ein Beispiel aufzeigen darf ?

Nehmen wir diesen neu verpflanztem Baum vor diesem neu gebauten Tempel.
Da kommt dann ein Mäuerchen drumherum.
Damit Mutters Erde ihren Halt findet, und zum Schutze vor aufdringlichen Autos.

Soweit einverstanden?
Ok.

101007-leute-laden-ab Und jetzt !
Da kommt da so ein blauer LKW vorgefahren.
Und hat viele unbunte Steine,
die abgeladen werden wollen.
Akurat auf Mass zugeschnitten,
in mehreren verschiedenen Radien…,

… und mindestens Arbeit für drei Leute zwei Tage lang.
Für einen Baum versteht sich,
und davon gibt es dutzende um diesen neuen Tempel herum.
Der ganze Parkplatz steht voll davon.

101007-fertiger-baum Da mache sich der aufgeklärte Leser doch bitte selbst ein Bild.

So sieht dann dieses „verblendete“ Werk aus.
Eins wie das andere,
dutzendfach kein Unterschied,
nix individuelles,
nix gewachsenes,
sondern allenfalls etwas fabriziertes.

Aber so lieben es die Chinesen,
da sind sie wohl ordentlicher,
als alles europäische……

„Power-Shopping“

101009_5-uniform Inges Kollegen hatten schon überdeutlich drauf hingewiesen:
Es gibt nur eines, was Shanghai in der Elite aller Weltstädte auf Platz eins hebt: Power Shopping !

Sie haben alle ihre Koffer gross und leer mitgebracht.
3Kg fürs Anreisegewicht ist ein guter Wert.
Zurück?
Schweigen wir besser.

101009-powershoppen-ladenfront Naja, dann muss es halt sein,
und letztlich finde ich mehr als Inge was den Rucksack füllt.

Die Nanjing Lu ist eh kein Geheimtipp mehr,
aber auf 3 Km Länge verteilt sich das raffende Volk ganz gut.

101009-powershoppen-converse Schuhe, Markenschuhe,
nachgebaut oder ‚gefunden‘,
wer weiss das schon.
Hauptsache billig,
und die zu Hause erblassen vor Neid und eigener, leerer Kassen.

Ich greife bei Timberland (22€) und Diesel Turnschuhen (24€) zu. Noch ein Softshell von Mammouth (30€) und ein Rucksack.
Herz was begehrst du?
Hier gibts alles,
zu Schleuderpreisen.

101009-powershoppen-fuesse Unsere Modenschau fällt skuril aus, aber es sei allen versichert:
wir haben für den günstigen Preis auch die zweite Hälfte erstanden..
101009_5-powershoppen-geschafft-m-bier Geschafft.

mit Inge am Bund

101008_1-am-bund-gslinge Das war zunächst mal nicht ganz so eindeutig:
Weder ob meine Schwester Inge tatsächlich ihren angemeldeten, dienstlichen Flug nach Shanghai bekommen wird,
noch ob ich um diese Zeit überhaupt noch in der Gegend bin.

Aber irgendwie hat es eben dann doch dringend sollen sein.
Und es ist zu einem HighLight der Reise geworden,
keine Frage….

101007_2-stadtentwicklung Inge war schon wirklich sehr sehr viel in der Welt unterwegs, aber eben noch nie in Shanghai.
Da kann doch tatsächlich der Bruder seiner Schwester noch etwas von dieser Welt zeigen.

Also den Gelben gepackt,
denn gerade aus dem Gelben kann man gut aus der ersten Reihe den total chinesischen Verkehr hautnah erleben.
Noch dazu,
wo selbst in NewYork alle Taxis
gelb sind.

101008_3-am-bund-creperie Keine Stadt der Welt für Inge ohne die Garküchen.
Wir waren uns eh einig,
dass so ne GassenSzene jeder Expo vorzuziehen ist.
So denn auch geschehen.
101008_4-am-bund-crepe_mann RiesenCrepes gabs hier,
Fleischspiesse dort,
Hühnerherzen gleich nebenan,
und, und, und…
101008_5-sojasauce Und so sieht Inge aus,
wenn sie sich Sojasauce in ihr Bierglas schüttet.
Kurz danach sind wir ins Hotel. Obwohl,
ich glaub es war nicht ihre Müdigkeit (schliesslich hatte sie die letzte Nacht komplett an Bord durchgearbeitet),
sondern vielmehr unser sehr munteres Geplapper,
dass sie so abgelenkt war, und ihr Bier verwüstete.

zu Besuch in Shanghai

101008_1-bei-jurgen-auf-der-strasse1 … bei Christin und Jürgen.
Jürgen kenn ich schon länger, schliesslich schreiben wir uns seit über einem Jahr etliche Emails. Ein persönliches Treffen hatte allerdings noch nie geklappt. Immer wenn ich mit dem Flieger in der Stadt war, dann war die Zeit zu knapp.
Aber jetzt, wo ich mal mit dem Auto vor seine Türe fahren kann, da ist eben alles anders.
Dank der genauen Angabe von Längen- und Breitengrad ist es ein Klacks, den Compound in Shanghai zu finden. Sogar der Sicherheitsservice spielt mit, und ich darf mit dem Dicken ins Wohngelände.
101008_2-jurgenchristina-kleiderschrank Ein kleines Familientreffen ist es ohnehin, schliesslich heisst Christin von Geburt an mit Nachnamen Schumacher, und ihre Mutter ist gerad auch zufällig aus Deutschland hier zu Besuch.

Die Hausbegehung dauert etwas, schliesslich ist die Villa wirklich extrem geräumig.
Aber der Höhepunkt ist dann der Kleiderschrank.
Für viele Chinesen dürfte der als Wohnung auch schon ein Gewinn sein.

101008_3-jurgenchristina Vielleicht liegt es an Christins Job: Sie betreibt Qualitätsmangement in der Textilindustrie, und ist in dieser Branche schon seit 15 Jahren in Asien zu Hause.

Mit Jürgen ..,

101008_4-jurgenchristina-nathaliepatrick … und inzwischen zwei Kindern: Nathalie und Patrick.
Die beiden besuchen ne internationale Schule und können inzwischen besser chinesisch lesen und schreiben als deutsch.

Aber wer auf der Welt spricht denn auch schon deutsch …..

StadtBankett

100929-grosser-saal1 Da flattert mir ne Einladung des Ober-Ober-Bürgermeisters in den Gelben.
Es gilt den Jahrestag der Ausrufung der Volksrepublik China im feierlichen Rahmen zu begehen.
Nationalhymne absingen inklusive.
100929-runder-tisch1 Und da ja soetwas immer ein gutes Essen verspricht, nehme ich die Einladung gerne an.

Typisch für Ningbo die grosse Auswahl an Fischen, Meeresgetier.

Untypisch das viele Brot. Aber da hat man wohl an die Expats gedacht, die hauptsächlich in dieser Runde eingeladen sind.

100929-tisch-hapeler1 Für die gute Unterhaltung sorgen wir selber.
Schliesslich kommt ein ganzer Tisch mit HaPe’lern zusammen.
Und es passiert, wie es wohl jedes Jahr passiert und schon ne gewisse Tradition besitzt:
Wir sind die letzten, die die Runde auflösen.

Rund um Dachi

Ein Monat ist um,
an der Ostküste Chinas,
südlich von Shanghai.
400 Km gefahren,
nicht an einem Tag,
sondern in einem Monat.
Ein Glück, dass es hier keine Parkuhren gibt.

Abhängen, chillen, durch den Bambuswald streifen, zum Essen (und trinken) eingeladen werden.
Den ein oder anderen Tempel inspizieren.
Und auch hier endlich den Blog mal auf den aktuellen Stand bringen (wie gerade geschehen…)

100904-bambuswald
Rund um Dachi ist auch schön.
Quer durch den Bambuswald gibts viele kleine Trampelpfade,
die mit ebensolchen kleinen Pflastersteinen gerad so befestigt sind, dass sie nur sehr langsam zuwachsen können.
Diese Wege waren früher, vor der Motorisierung, der schnellste Weg zwischen den Dörfern.
100919-weg-zum-temple1
Ne knappe Fussstunde entfernt steht dieser gewaltige Steinbuddha.
Er bewacht wohl die kleine Tempelanlage, die von einer tollen Gartenlandschaft einschliesslich Badesee umgeben ist.
100919-tempelbudda-in-stein
Erst bei meinem zweiten Besuch sind die Türen zu den heiligen Hallen geöffnet.

Und wieder bin ich der einzige Besucher im Areal und geniesse die Stille

100928-buddha-innen
Ein einzelner Mönch passt ein bisschen auf, und freut sich über meinen Besuch.
Weiter unten am grossen und berühmteren TiangTong Tempel, da strömen sie jetzt alle hin.
Neu gebaut wird dort.
Alles Souvenier- und Andenkenläden, für den Ansturm demnächst.
Vor lauter Bauzelten und Planen weigere ich mich ein Bild zu machen.
100928-buddha-monch
Und komme wieder zurück,
zu diesem kleinen, verwunschenen Park zwischen den Bambusbergen
100919-tempel-bei-dachi-see_sm