Ausreise Tadschikistan (30.Aug.09)

Ufff, das hat länger gedauert, und dies hier zu Lesen wird auch dauern.

Ein besonderer Tag, das war eh klar.
Schliesslich sind meine Belege unvollständig.
Ich hab wirklich gut ausgeschlafen an sehr ruhigem Schlafplatz und bin für die tadschikische Ausreise gewappnet,
aber es kommt spektakulärer als ich ahnen konnte.
Hier in ZentralAsien wird einfach alles geboten. Uiuiuih

Die Nacht hatte ich schon mit drei weiteren deutschen Fahrzeugen verbracht,
und sie treffe ich direkt vor dem Schlagbaum wieder,
obwohl sie fast drei Stunden vor mir losgefahren sind.
12.30h, es geht los.
Ich darf sogar aufs Gelände fahren,
und anhalten.

schlafplatz-vor-grenze

Meine zweite Quittung aus Kourough fehlt. Weiss ich.
Schliesslich wollten sie bei der Ausreise nördlich Murghab 500 Sumoni  (ca 80 Euro) von mir haben,
und nur meine Quittung hat diese Forderung auf null reduziert. Aber diese Quittung haben sie einkassiert.
Ohne Quittung keine Ausreise, bzw dann eine Strafe: 50 US Dollar pro fehlendem Tag, bei rund 23 Tagen, also 1.150 US Dollar.
Vergesst es !
Ich bezahl NIX !

Ich bestehe darauf sie mögen in Kourough anrufen und sich von Herrn Jovid bestätigen lassen, dass ich dort bezahlt habe.
Nach genau 1,5h versuchen sie die Nummer, aber es ist die falsche. Mehr Versuche gibt es nicht. Und keiner ist in der Lage diese Nr von Herrn Jovid herauszufunden. Ohnehin müssen sie immer hier mit ihren privaten Handys telefonieren. Ein Diensttelefon gibt es nicht, der Funk ist nur für den Kriegsfall, aber das kenn ich schon.

Die anderen drei Fahrzeuge stehen immer noch draussen.
Sie haben ein ähnliches Problem, und auch bei Ihnen bewegt sich nix.
Drei Stunden sind um.

Wir werden in den nächsten Ort verwiesen. Dort gäbe es eine deutsche Organisation, die würde uns helfen. Auf Nachfrage stellt sich heraus, dass es die deutsche Sektion der Welthungerhilfe ist. Wir verzichten auf Kontaktnahme.

Es ändert sich nix.
Gebetsmühlenartig wiederholen wir alle unseren Standpunkt.
Vier Stunden gehen um.

Mir wird angeboten an Eides statt zu versichern, dass ich die Quittung verloren habe, dann würde ein Protokoll angefertigt, und ich müsste 40 Dollar „straf“ bezahlen.
Ob ich Kopien meines Passes habe?
Hab ich nicht. Dann müsste ich welche in Penjikent machen lassen.
Seh ich nicht ein, wenn die hier keinen Kopierer haben, und Kopien wollen, dann müssen sie selber fahren,
Ok, dann bräuchten sie Geld für Benzin weil sie keines haben, weder Benzin noch Geld.
Bekommen sie von mir auch nicht, dann können sie auf die Kopien verzichten.
Können sie nicht,
aber die Übersetzerin fürs Deutsche muss eh zu ihrem kranken Kind in die Stadt zurück, also fährt das Auto jetzt los. (Geht doch…)

Die drei Deutschen stehen immer noch hinter der Schranke, auch bei ihnen kein Weiterkommen.
Sie machen sich jetzt selbstständig, gehen am Customs Offizier (Customs sind die, die für den Waren- und Autoverkehr zuständig sind),
vorbei zur Grenzpolizei (die für die Personenkontrolle zuständigen) und wollen den AusreiseStempel für den Reisepass.

Dieser Chef der Grenzpolizei hat aus der Ferne schon länger mit Missvergnügen unsere vier festgenagelten Autos und deren hilflose Bewohner beobachtet.
Er ist den Militärleuten weisungsbefugt, die an der Schranke die Ein- und Ausfahrt regeln, und gibt die Weisung durch, dass die drei Fahrzeuge aufs Zollgelände einfahren sollen. Nach gut 4 Stunden Palaver.
Ich selbst war ziemlich nach Ankommen diekt aufs Gelände gewunken worden. hab aber seit 4 Stunden dort den Gelben auch nicht mehr bewegt.

Das hört der Customs Inspektor, rennt zur inzwischen geöffneten Schranke und stellt sich vor das erste Fahrzeug.
Das ruft wiederum den Grenzpolizisten auf den Plan, er rennt ebenfalls zur Schranke und spricht den Customs an, er würde gerade über seine Befugnisse gehen.
Dann gibt wie unter Jungs schonmal üblich ein Wort das andere. Und das nächste Wort ist sogar immer lauter als das vorherige. Und der Grenzpoliszist lässt mal ein Wort aus und streckt seine Faus als Kinnhacken zum Customs aus. Der nicht faul, rauft locker zurück.

Jetzt eskaliert es, logisch.
Die untergebenen Customs kommen ihrem Chef zu Hilfe,
der Grenzpolizist hat auch eine Helfertruppe, und schon ist die wildeste Schlägerei rund um die drei Fahrzeuge vor der Schranke im Gange.
Ringrichter gibts keinen und ganz fair geht es auch nicht zu.
Anyway. Der Grenzpolizist ist klar überlegen: ein Kopf grösser, 1,5 fach breiter und nur 0,7 fach so rund wie der Customs.
Der fliegt über Betonbarrierren und wird schliesslich von seinen Leuten zurückgehalten. Wohl um seine Gesundheit zu schützen.
Jetzt fliegen wieder laute Worte über den leeren Platz.
Die Stimmung bleibt gereizt.

Das Ansehen des Customs hat gelitten. Und er ist tatsächlich genau der Typ, der uns allen diese Schwierigkeiten fabriziert hat. Sogar im Internet muss es schon Kommentare und Texte zu seinem Verhalten an dieser Grenze geben.
Dieser Custom will jetzt die Bühne verlassen. Mit seinem Auto fährt er zur Schranke, aber die Militärs öffnen nicht. Anweisung vom Grenzpolizisten.

Da setzt der Customs zurück, fährt zwischen zwei Baracken seitlich aufs Feld und durchpflügt den Acker parallel zur Strasse, um hinter der Schranke wieder auf die Strasse zu hoppeln und ins nahe Penjikent zu fahren.
Upps, das war dann der mindestens der vierte Akt des Dramas.

No5 lässt so ne Stunde auf sich warten, dann kommen vier Autos mit den Chefs der Chefs der Chefs.
Es bleibt weiter laut, aber als erstes müssen die Zeugen-Deutsche-Ausreisewillige verschwinden.
Drum geht jetzt alles sehr schnell.
Nach 20 Minuten sind alle meine Papiere fertig.
Die normalerweise zwischen 18h und 20h geschlossene Grenze wird einfach geöffnet, und draus bin ich.

Bezahlt hab ich mit meinem Restgeld, das waren so rund 20 US Dollar, und beim Komplettchaos haben sie total übersehen, dass ich im Prinzip nochmal 75 US Dollar für die dritte 15-Tage-Verlängerung hätte zahlen müssen, denn Quittung No3 hab ich nie gehabt.
Und eine Registrierung, weil ich länger als 30 Tage im Land war hab ich auch nie besorgt (35 US Dollar Gebühr).
Plus Strafe ? Kann sein….

Liebe tadschikischen Freunde,
ich glaube ich werde langsam einer von euch.
Nur prügeln, das ist nicht so mein Ding.

Weiter zur usbekischen Einreise,
aber dort war einfach alles längst zu spät
und der Drogenhund schon im Reich der Träume……

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