16.Nov.–Zähne zeigen

Morgen ist Tag der Entscheidung. Denn heute sitze ich immer noch Erlianhot. Und zwar fest.
Ich hab zwar professionelle Shippinghilfe bekommen. Dazu ist eigens Kristin über Shanghai, Höhot (1.800Km Flug), nach Erlianhot (300Km Bus) gekommen. Aber sie konnte heute nur die Lage studieren. Entscheidende Customs sind ihren Schreibtischen fern geblieben.
Der Guide ist erst garnicht weggelassen worden.
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In Beijing hat er versucht mit zwei Weinflaschen, wohl ein „Customs-Dankeschön“, das Flugzeug zu besteigen. Er wurde aber dezent zurückgewiesen, und darf es morgen nochmal versuchen. Muss er für mich nicht mal.

Ich war auch nicht untätig
und hab mir Verstärkung besorgt.
Ein paar feine und durchsetzungs- freudige Kollegen.
Mit dem Gelben haben sie sich gleich prächtig verstanden.
Und jetzt machen wir gemeinsame Sache.
Morgen.

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Also entweder die Customs werfen einen prüfenden, weil obligatorischen Blick ins gelbe Gehäus und stempeln mich frei,
oder wir mischen den Laden mal ein bisschen zurecht.
Meine Freunde haben da schon ne prima Strategie gebaut,
prima weil einfach.
Wir fahren bis zur Schranke vor, positionieren uns Blickrichtung Mongolei,
und werden langsam wütend…
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Ich will aus China raus, nicht rein.
Und der hier der wollte vielleicht auch nur raus,
und ist die Fänge des chinesischen Governments geraten.
Soviel Pech werde ich nicht haben, garantiert.
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Nachsatz:
dieser Kerl da hinten, der ist wohl nicht mehr transportfähig.
Hat sich niedergelegt und ausgestreckt.
Rund 640 Meter lang ist er geworden.

Und ist sogar bei GoogleEarth
auf dem Sat-Bild sehr gut zu erkennen, wie seine Kollegen.

Kleiner Tipp: so in der Gegend von 43°43N und 112°00E müsste was rumliegen.

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14.Nov.–Jetzt reicht’s

1_100805-erlianhot-einreiseDer Regenbogen an der Grenzstation in Erlianhot, China.
So idyllisch begann die Einreise vor mehr als drei Monaten.
Das Drama in seinen Akten.

Di,02.Nov.10,Beijing:
Ich habe per Express mein Visum für die Monglei abgeholt und meinen Part für den Grenzübertritt erledigt. Aber mein Guide Mr.Zhang verzögert die Abreise zur Grenze. Es sind noch nicht alle Unterlagen vollständig. Zwei Fahrtage werden wir von Beijing bis Erlianhot brauchen, dem chinesischen Grenzort.

3_101108-erlianhot-stellplatzhotelEiner der Stellplätze in Erlianhot. Laut chaotisch, aber bestes WLAN. Mi,03.Nov.10,Beijing:
Mr.Zhang wartet noch auf ein Papier aus Shanghai. Eine Mitarbeiterin ist auf dem Weg. Sie wird morgen, am Do in Beijing eintreffen. Dann können wir los.
Es wäre sinnvoll schonmal Diesel zu tanken, meint er.

Do,04.Nov.10,Beijing:
Die Mitarbeiterin hat das Papier beschafft. Aber an der Grenze brauchen sie dazu mindestens einen Bearbeitungstag. Deshalb schickt er das Dokument mit der Expresspost schonmal voraus. Allerdings ist es dann erst morgen, also Freitag, in der Bearbeitung, und ich kann erst am Montag über die Grenze fahren. Deshalb verschiebt er unsere Abreise zur Grenze auf den Samstag.

6_101114-erlianhot-dinosKeiner, wirklich keiner hat hier je länger geparkt als ICH. Fr,05.Nov.10,Beijing:
Er hat an der Grenze angerufen, die Post ist dort noch nicht angekommen. Sie wird also Montag ankommen, kann dann auch erst am Montag bearbeitet werden. Ausreise jetzt für den Dienstag geplant.
Unsere Abfahrt aus Beijing verschiebt er auf den Sonntag.

Sa,06.Nov.10,Beijing:
Ich warte auf den Sonntag.

So, 07.Nov.10,unterwegs
Reisetag nach Jinin.

6_101114-erlianhot-sountergangIm Dinowald, kurz vor Licht-Aus. Mo,08.Nov.10,Erlianhot:
Wir erreichen  die Grenzstzadt Erlianhot noch vor Büroschluss der Customs.
Auf mein Drängen hin fahren wir sofort hin, um nachzufragen, ob alles angekommen sei, und ob neue Fragen enstanden wären.
Es sind keine Fragen zu klären, es ist noch nix angekommen.

Di,09.Nov.10,Erlianhot:
Immer noch nix angekommen, wir warten.

101111-erlianhot-am-gercampDas wärs zum Trost gewesen, ein GerCamp in der Steppe.
Aber sie haben alle längst zugemacht.
Der Komfort in der nahen Stadt war zu verlockend.
Mi,10.Nov.10,Erlianhot:
Der Brief trifft ein. 7 Tage Laufzeit für 800 Km. per Express.
Die Customs beginnen nicht mit der Bearbeitung. Es fehlt ein Papier der Army. Ohne dies keine Abfertigung.
Mein Guide versichert mir, man habe ihm im Vorfeld gesagt, das Papier sei nicht nötig. Jetzt aber doch, er würde das nicht verstehen.
Er setzt sich in den Nachtbus nach Beijing (10 Std. Fahrtzeit, 800 Km), um beim Militär das Papier zu beschaffen.

Do,11.Nov 10,Erlianhot:
Ich höre entgegen der Verabredung von Mr.Zhang nichts.

101114-erlianhot-grenzeinsichtGanz hinten, da kann ich den Regenbogen nach gut drei Monaten wieder sehen. Ich will wieder drunter durchfahren, RAUS aus China. Fr,12.Nov.10,Erlianhot:
In meinem Anruf erklärt Mr.Zhang, er habe das Papier noch nicht. Es wären nicht die richtigen Leute im Büro gewesen. „Maybe…“ am Montag, wie er sagt.

Durch meine weitere Rechersche stellt sich heraus, dass Mr.Zang aktuell nicht die Chance auf das Papier hat, sondern nur darauf es zu beantragen. Bearbeitungszeit leicht 14 Tage.
Aber es gibt wohl andere Fälle in denen das Papier tatsächlich nicht gefordert wurde.
Von einer anderen Agentur holt jetzt eine Mitarbeiterin am Sonntag einen zweiten Satz Originalpapiere in Shanghai ab, und kommt mit Flugzeug (1800Km) und Taxi/Bus (300Km) hier nach Erlianhot, um meine Ausreise am Montag OHNE das Papier der Army zu versuchen.

Sa,13.Nov.10, Erlianhot:
Ich warte

So,14.Nov.10, Erlianhot:
Ich warte

Für den 02.Nov war ursprünglich meine Ausreise vorgesehen, und seit einem Monat bei Mr.Zhang angemeldet. An diesem Tag sind sowohl mein chinesischer Führerschein als auch meine Fahrzeugpapiere ungültig geworden.
Inzwischen sind rund zwei Wochen rum, und ich hänge immer noch in Erlianhot fest.
Jetzt reichts.
Wenn morgen, am Montag, nichts durchgreifendes passiert, dann werde ich mein Vorhaben selbst in die Hand nehmen und für umfangreiche Verwirbelungen sorgen.

07.Nov.–Great Wall

101107-great-wall-viele-leute Bandaling,
DER Treffpunkt für Mauerspechte.
Nach rechts gehen viele,
nach links weniger…
War das schon immer so ?

Ich entscheide mich für weniger.
Und stiefele über die Berge, denn komischerweise haben sich die Mauersleute gerade die Berggrate ausgesucht,
um sie zu erhöhen.

101107-great-wall_seitlich Das ist schon eindrucksvoll, keine Frage. 20.000 Kilometer sollen es alles zusammen sein.
Nicht vom Mond sichtbar, nur ein hartnäckiges Gerücht.

Geholfen hats für die Verteidigung nix,
aber für die Kommunikation, denn per Signal von Tower zu Tower waren Feinde schnell gemeldet und Verstärkung gerufen.

101107-great-wall_me Zitatanfang:

„Wer noch nie auf die Grosse Mauer gestiegen ist,
der ist kein wahrer Mann.“

Zitatende,
(Mao Zedong).

Dann hätten wir das ja auch erledigt.

04.Nov.–China, Mein Eindruck

Nach gut drei Monaten und 13.000 Kiometern mit dem eigenen Fahrzeug in China hier mal ein paar persönliche Notizen für alle, die vielleicht auch diese Idee haben.

101107-erenhot-fuer-blog

Lebenshaltungskosten:
Taxifahren nie mehr als 3 Euro, für ne halbe Stunde Fahrt, Mindesttarif in der Stadt um 1 Euro und damit kommt man schon sehr weit;
normal Essen gehen, kaum mehr als 4 Euro/Person, incl. Getränke, gerne auf dem Land auch noch erheblich billiger;
Eintrittsgelder in wichtige Dinge schonmal 4 Euro, verbotene Stadt 7 Euro;
Diesel 65-70 ct, Supermarkteinkauf  ab 15 Euro nicht mehr zu schleppen;
Dose Bier 30 €ct, Dose Limo 20 €ct. Die Flasche Bier bei mir auf dem Dorf in Daqi, 600 ml kosten sensationelle 23ct, Pfand gibt’s keines.
Käse ist teuer und selten, meist nur Schmelzkäse, Wurst/Würstchen super lecker und billig;
Starbucks teuer wie überall (3,50€), aber Internet frei, wie immer;
Internetcafes sind in den grossen Städten selten, die Chinesen haben Internet alle schon zu Hause.
Ungesicherte Hotspot zu finden ist einfach, aber Achtung: praktisch alle ‚Blog‘ Seiten, auch ggf. die eigene, sind in China gesperrt, genau wie viele andere Seiten auch (youtube..), ‚Google‘ geht;
Bestechung, Korruption spielen im kleine-Leute-Alltag praktisch keine Rolle, Ausländern wird zwar schon mal gerne ‚etwas‘ mehr abverlangt, aber nach kurzer Diskussion ist das meist zu beiseite zu schaffen;
Trinkgelder sind nicht bekannt, die Beträge werden allenfalls nach unten vom Verkäufer abgerundet, damit fällt ein kompliziertes Thema anderer Ländern schlichtweg aus;

Verkehr:
Die Autobahnmaut wird wie in Frankreich direkt kassiert, die Kosten für Chinesen sind unfassbar hoch, für Europäer teuer: 100Km schon mal gerne 10 Euro, entsprechend leer sind auch die Highways. Aber es sind wohl mit die besten der Welt. Selbst auf den überregionalen Landstrassen wird immer wieder mal kassiert.
Die Beschilderung ist weitestgehend chinesisch und englisch, auch im Hinterland.
Die Orientierung mit rudimentärem gps-Garmin einfach.
Die Verkehrsregeln sind nicht viel anders als bei uns, nur die Praxis… !!!

Beispiel: Rechts abbiegen ist bei Rotlicht immer erlaubt und wird auch sehr zügig durchgeführt. Querende Fussgänger haben zwar im Prinzip Vorrang, aber sie wird ihnen niemals gewährt. ElektroScooter haben keinen Status als Verkehrsmittel und zählen zu den Fussgängern, damit dürfen sie praktisch alles, so wie sie gerade am schnellsten vorankommen.
Wird die Ampel grün, starten auch sofort alle Linksabbieger und versuchen sich vor dem Gegenverkehr durchzuquetschen. Anders als in Europa bestehen die ‚GeradausFahrer‘ nicht auf ihrem Recht, und lassen die ‚Quersteher‘ durch. Damit kommt wegen verstopfter Kreuzung der Verkehr ruckzuck zum Stillstand. Das Chaos spottet jeder Beschreibung.
Beinahe Unfälle nach europäischen Massstab passieren praktisch jede Sekunde und lassen einem die Haare zu Berge stehen. Eine Gewöhnung fand bei mir auch nach 13.000Km im Land nicht statt. Man geht in China aktuell von 100.000 Toten jährlich nur im Strassenverkehr aus.

Bei einem Verkehrsunfall hat IMMER der schwächere Recht. So kommt es im günstigsten Falle für den Autofahrer zu einer 50/50 Schuld. Will er aber ein Strafverfahren vermeiden (bedeutet langen Zwangsaufenthalt im Land), so übernimmt er freiwillig und sofort die Kosten zu 100%. Eine zusätzlich abgeschlossene Versicherung in China übernimmt dann aber nur die 50%.

Geld tauschen:
geht inzwischen nicht mehr nur bei der „Bank of China“. Allerdings kostet das Prozedere Zeit. Einfacher ist es mit Kreditkarte am Automaten, Höchstbestrag meist 2.500 RMB, Automaten gibt es mehr als Verkehrszeichen, und selbst auf dem Land gibt es immer grössere Städte. 🙂
Der grösste in China vorhandene Geldschein ist 11 Euro wert, der kleinste 1ct (als Geldschein!!);
mein WechselKurs aktuell 8,9 RMB für einen Euro;

Mit, ohne Guide ?
Nach einigen auch gründlichen Verkehrskontrollen meiner Personen- und FahrzeugPapiere durch die Polizei stellt sich das so dar:
Ausserhab Tibets ist keine chinesische Begleitung vorgeschrieben.
Die Ein- und Ausreise ist aktuell in eigener Regie allerdings nicht zu schaffen. Das Fahrzeug muss jeweils Tage vorher bei der betreffenden Grenzstation angemeldet sein. Dazu müssen Papiere quer durchs Land verschickt werden. Nicht als FAX, Email, sondern im Original mit vielen roten Stempeln. Man braucht einen neuen, temporären, chinesischen Führerschein (3Mon gültig), und ein chinesisches Fahrzeugkennzeichen (3Mon gültig). Für diesen Kram wird man im Moment noch immer eine chinesische Reiseagentur zur Hilfe brauchen. Und die möchte dann auch die Begleitung ins Fahrzeug setzen. Im Falle eines Unfalles wird diese Agentur, wenn sie nicht im Fahrzeug vertreten war, nicht mit zur Verantwortung gezogen. Das ist ein nur vorgeschobenes Argument der Agenturen.
Für mich hat der Guide den entscheidenden Nachteil, dass ich dann gezwungen bin für die Übernachtung ein Hotel anzufahren, wo der Guide übernachten kann. Manchmal hat er im Fahrerhaus genächtigt, manchmal hab ich mich verdünnisiert und bin alleine ins Grüne zum Pennen gefahren, aber viel zu oft bleibt man im Hotelhof hängen. Das ist alles andere, als ich mir so ne Reise vorstelle.
Die Kostenfrage für den Guide kommt natürlich eh noch dazu. Viel billiger wird es ohne Guide wahrscheinlich auch nicht. Denn der normale Monatslohn im Land bewegt sich bei 300 bis 500 €. Da verdient die Agentur am Honorar für den Guide extrem viel. Was die Agentur also bei nicht in Anspruchnahme des Guides nicht über ihn abrechnen kann (100 bis 150 USDollar/täglich),, wird sie versuchen an Gebühren umzusetzen.
Für die Orientierung und Verständigung im Lande brauchte ich jedenfalls keinen Guide. Dann bräuchte ich in Spanien auch einen.

Schlafplätze:
Bei meinen Strecken ohne Guide waren die Schlafplätze leicht zu finden. Ein Park in der Stadt, ein Parkplatz vor einem Tempel, oder am Rande eines Feldweges. Behelligt wurde ich an diesen Plätzen kein einziges mal. Das ist ungestörter als in Österreich! Wenn dieser Platz aber besonders ruhig sein soll, dann wirds schwierig. China ist voll, extrem voll. Auch im Hinterland. Erst östlich des Qinghai Lakes, in Tibet, in der Provinz ‚Inneren Mongolei‘ sieht das besser aus. Ganz China hab ich nicht bereist, aber es wird übertragbar sein.
Die Parkplätze von Internationalen Hotels gehen auch nach etwas Diskussion. Zunächst springt ein ‚Security‘ vors Fahrzeug, der dann aber von der Hoteldirektion zurückgeholt wird. Er macht ja nur seinen Job.

Innerhalb Tibets…
ist alles anders. Extrem strenge Kontrollen, die immer der Guide über sich ergehen lassen muss. In Tibet wurde ich selbst von Polizei oder Militär kein einziges mal angesprochen und musste im Fahrzeug sitzen blieben. Diese Offiziellen wenden sich ausschliesslich an die chinesisch sprechenden Guides.
In den Permits ist die Reiseroute und die Reisetage genau festgelegt. Hält man sich nicht dran gibts richtig Stress (selbst erlebt, siehe Reiseblog). Aber man stellt die Reisetage und die Dauer ja auch selbst zusammen (und bezahlt die Agentur auch entsprechend). So sind Reisen durch Tibet in erster Linie eine Kostenfrage, denn genehmigt wird praktisch alles. Limit drei Mon, dann werden Führerschein und Fahrzeugschein ungültig. Verlängerung meiner Erfahrung nach unmöglich.

Die Chinesen…
sind extrem neugierig. Die europäische Hemm-Schwelle des Näher kommens kennen sie nicht. Hatte ich versehentlich die Treppe des Gelben unten gelassen und evtl. nicht mal abgeschlossen, dann musste ich auch einige Chinesen direkt aus dem Mobil herausholen. Dabei lachen sie und halten den Daumen oben.
Sie bleiben immer sehr freundlich und erkennen vollkommen neidlos auch so ein grosses Reisemobil an. Ich hab mich an allen Orten extrem sicher gefühlt. Das hatte ich zB in Russland nicht so.

Backpacker vs. Wohnmobil in China?
Die Infrastruktur für Backpacker in China ist zweifelsohne sehr gut. Die für ein autarkes Wohnmobil aber auch. Die Auflagen für den Rucksackreisenden sind gering, die Grenze easy zu schaffen, eine Agentur nicht notwendig (Ausnahme Tibet).
Ich habe es trotzdem sehr genossen, mein Zuhause dabei zu haben. Drei Monate als Backpacker wäre ich in China nicht geblieben.

Komme ich wieder ?
Na klar. Ich muss doch nochmal dringend und ausführlich nach Tibet, und nach Yunnan, das ShangiLa besuchen, und in den Norden der Inneren Mongolei.., und diese tolle Küche (mir grauts schon vor der mongolischen..). Klar komm ich wieder. Und vielleicht haben sich bis dahin ja auch die Reisebedingungen für Selbstfahrer etwas gelockert.
Meiner Meinung nach kann das nicht mehr so arg lange dauern.

02.Nov.–Der chinesische Traum

1_101028-chintraum_plakat Ne hübsche Frau?
Ach, das ist hier das kleinste Problem.
Und nicht nur immer klein!
Dieses Vorurteil muss ich revidieren: auch chinesische Frauen lassen zunehmend die 1,70 hinter sich. Dabei bleiben sie locker der 36 treu.
Haare so lang und seidig, wie Wasserfälle mit 1000stel Sekunde Belichtungszeit.

Dazu noch die feine Balance zwischen Stärke und Hingabe. Alles möglich…

2_101028-chintraum_2 Ein deutsches Auto soll es sein. Gerne wird Audi genommen.
VW fährt hier der Taxifahrer.
Porsche ist halt schwierig, weil extrem teuer.
Durch den Importzoll mit 100% Zuschlag genau doppelt so teuer wie zu Hause.
3_101028-jinan-der-chinesische-traum3 Wenn’s um nen Trinkspruch geht,
dann immer und immer wieder
„für ein langes Leben“.

Dabei sind die meisten so irre jung. Nur die Touristen sind älter als 45.
Definitiv.

DER Chinese ist gerad mal zwischen 24 (‚bitte jetzt ein Kind‘),
und 35 (‚bitte jetzt den Durchbruch im Job, nach ganz oben…‘).

4_101028-chintraum_fische Und wenn dann noch alles etwas ‚rosa‘ ausstrahlt,
es Nachts in vielen Farben blinkt,
und die Kultur den Aufdruck
„Made in Germany“ enthält,
na dann können die Nachbarn doch ganz schön staunen.
5_101028-chintraum_mao Achso, noch etwas ist sehr wichtig:

Das die Welt endlich mal anerkennt, dass die Chinesen es auch zu etwas gebracht haben. Ihr Selbstbewusstsein ist halt durch die Historie nicht gerade weit gekommen. Sie möchten wie wir alle doch nur lieb gehabt werden.
Und da kommen Themen wie Tibet und Taiwan erstmal schlecht.
Wenn sie allerdings Vertrauen in den Europäer gefunden haben, dann lassen sie über alles mit sich diskutieren, dann finden sie auch einiges nicht okay, was sie im Lande anrichten…

30.Okt.–HochZeiten

Ich streife so durch Beijing. Bediene meinen Hunger in der „Fressgasse“, gleich neben der noblen Fussgängerzone.

Da lande ich unversehens in einer Hochzeitsfeier.
Die Trommeln hatte ich gehört und war neugierig einen Block weiter gegangen.
Angeführt wird der Zug von zwei wilden Hunden. Unter jedem Kostüm stecken zwei athletische Jungs, denn ihr Job ist nicht ganz ohne.

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Später lass ich mich von ‚Zhang‘ aufklären:
so heiratet der traditionelle Chinese. Mmhhh, obwohl das hier eindeutig kein Chinese ist, sondern ein Engländer ist, wie ich aus den Gesprächen am Rande des Zuges hören kann.

Aber wahrscheinlich ist seine Auserwählte eine Chinesin.
Das kann ich gerad nicht so genau sehen.

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Das kann keiner der Umstehenden sehen, denn die Braut wird in einer bunt verhangenen Sänfte von Halbstarken durch die Strassen getragen. Nur eine bildhübsche Kammerzofe schlägt manchmal ein ganz kleines bisschen den Vorhang beiseite, und erkundigt sich nach der Wirkung der Reisetabletten,
oder so…

Bunte Fahnen, viele Trommeln, quickende Blasinstrumente, hier ist richtig was los. Der Trupp landet schliesslich vor dem „Hongkong Jockey Club Beijing“,
direkt neben der Lamborghini Vertretung. Nicht unnobel.

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Die Hunde führen einen wilden Tanz auf, und der Bräutigam muss allerlei chinesisches antworten, bevor er seine Braut aus der Sänfte erlösen darf.
Der Schleier fällt immer noch nicht, das kann dauern, und ne Menge Spass bringen.

Eine dickes rotes Band verbindet die beiden jetzt erstmal. An diesem Band führt er sie in den Club. Und ich muss draussen bleiben, wie viele andere Beobachter auch.
Also, wenn ich noch mal heiraten sollte, dann möchte ich das auch so haben. Mit vielen Trommlen, bunten Gewändern und einer spannenden Feier. Aber dafür muss sie sich erst noch scheiden lassen…

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30.Okt.–Beijing: für den Dalai Lama

Die Zeiten waren mal andere, und in mancher Hinsicht auch bessere.
Da bin ich konsequent.
Denn bevor ich in die Verbotene Stadt hinein gehe,
wende ich mich zunächst dem Beihai-Park zu.
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Der Park ist beschaulicher, kleiner und privater,
als die monumentalen und gigantischen Top 10 der chinesischen Hauptstadtknüller.
Da tanzen Chinesen ganz locker zu arabischen Rythmen,
und haben sich auch noch so verkleidet.
Das nennt man dann wirklich Multi-Kulti.
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Die ersten Bebauungen auf der Jadeinsel sind älter als der ganze Kaiserpalast hinter den Mauern der Verbotenen Stadt. Die weisse Flaschenpyramide wurde im Jahre 1651 eigens für den damaligen Besuch des Dalai Lama gebaut. So sollte er damals willkommen geheissen werden. 101030_2-beshai-park-m-stupa_b
Mit ihren 36 Metern Höhe,
und dann noch auf einem kleinen Berg gebaut, überragt sie auch heute noch jeden Bau hinter den hohen Mauern nebenan.
Na also, geht doch…
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28.Okt.–Jinan: Freunde&Co.

101020_1-jinan-buddhaberg-mherz Was macht man am besten mit alten und neuen Freunden:
man geht mit ihnen Essen.
Und so hab ich kürzester Zeit die grösstmögliche Bandbreite in Jinan erfahren.
Mit ‚Ma‘ erkletterte ich zuerst den Tausend-Buddha-Berg. Der erste Budda der mir liegend begegnet.

Ganz oben auf dem Berg dann der Platz für die Verliebten.
Und ich soll auch gleich mal ein Foto machen,
von diesen turtelnden Chinesen.

101021_2-jinan-nachbartisch-in-bbq Mit ‚Ma‘ gehts weiter in die BBQ-Street. Ich hatte mir gewünscht, nicht die Luxusherbergen, sondern die Basics kennen zulernen.
Hier finde ich auch ein ganz vorzügliches Brot, kräftig gewürzt mit Sichuan Pfeffer.
Bei Gegrilltem gehts mit ‚Ma‘ gleich an die kritischen Themen: EinKindPolitik, Tibet, die drohende Überalterung Chinas, und Chinas Willen + Anspruch in der Welt wahrgenommen zu werden.
Kontrovers, offen und spannend….
Inklusive der Grüsse vom Nachbartisch. China live.
101023-gelber-lipingyaping Mal was ganz anderes: „Dinner im Gelben“.
Yaping bringt selbstgekochtes und von Muttern mit, und im Gelben wird daraus eine gemütliche Runde mit Mahlzeit.
Nachdem ich schon seit vier Monaten experimentell neue Küche entdecke, stelle ich heute meine Gäste vor einige Rätsel. Zum Salmiak-Lakritz  reiche ich Amarettogebäck
(Danke an Schwester Inge).
101023-gedeckter-tisch Das von Yapings Mutter gemachte Brot dippe ich in Mango-Curry.

Nicht alle meine aufgetischten Dinge stossen auf breite Zustimmung. Europa ist eben tatsächlich weit weg.
Auch kulinarisch.

101029-jinan-abschluss-m-zhao Nun bin ich aus wichtigem Grund sogar länger in Jinan geblieben als geplant.
Das letzte Essen findet dann auch in schöner grosser Runde statt.
Sogar Frau Zhao ist aus hilfsbereitem Anlass in die Stadt gekommen.
Yaping tischt in ihrem Lieblingsrestaurant nochmal gründlich auf….
101029-jinan-abschluss-esstafel1 Eins weiss ich jetzt schon ganz klar:

egal obs die Mongolei,
Russland oder Deutschland sein wird,
das wirklich köstliche Essen Chinas, das werde ich sehr und schnell vermissen…

26.Okt.–Schön grün in Jinan

Mein Park- und Schlafplatz in Jinan liegt in einem ruhigen und sehr grünen Park, direkt unterhalb des Mausoleums.
Aber irgendwie hab ich doch wohl die Geister gerufen, denn so ruhig ist es nicht.
Schon morgens ab sechs Uhr (!) treiben sich die singenden und musizierenden chinesischen Geister durch die Grünanlage.
Es liegt bestimmt an den dünnen Wänden und den kleinen Wohnungen, dass sie den Weg ins Freie suchen.
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Manche suchen ein Publikum und haben sich wohl auch schon ein festes erobert.
Andere plärren einfach nur so vor sich rum.
Komisch, dass sie dabei oftmals nicht mal fünf Meter Abstand zur nächsten Darbietung haben.
Aber kein Problem,
Chinesen haben ja ganz wie wir Europäer auch zwei Ohren.
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Eine Flucht um die Ecke bringt auch keine Linderung im Grünen.
Hier steht seit Jahr und Tag der KiddiScooter.
Jedes Gerät für sich singt eine feine Melodie, nur der Tonumfang scheint irgendwie limitiert zu sein.
Macht nichts, dafür passen die Töne spätestens alle 10 Minuten mal für nen Moment zusammen.
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Auf der Strasse ist es auch nicht besser. Allerdings ist das TonChaos hier ganz natürlicher Art.

Hunderte von Singvögel rufen nach ihrem Erretter, der sie bitte, gegen kleines Geld in eine Wohnung trägt,
wo sie ihre endlich verdiente Ruhe haben.

Aber solange……

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Dabei dachte ich immer,
China sähe so aus:

ThaiChi Bewegungen in völliger Harmonie und sehr tiefer Ruhe inmitten von gesundem Grün.

Aber denkste, hier rennt jeder Gärtner meist mit ner Giftspritze rum.
So gibt es wenigstens Ruhe unter den „underdogs“.

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